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Prof. Dr. Emil Kautzsch

Textbibel

Das Alte Testament

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Die Sprüche.

Kapitel 23.

Worte von Weisen oder verschiedenartige Sprüche meist größeren Umfangs. (Fortsetzung)

1 Wenn du sitzest, um mit einem regierenden Herrn zu speisen,
merke wohl, wen du vor dir hast,
2 und setze dir ein Messer an die Kehle,
wenn du ein Gieriger bist.
3 Hege kein Gelüsten nach seinen Leckerbissen,
denn es ist betrügliche Speise.
4 Mühe dich nicht ab, reich zu werden,
und von deiner darauf gerichteten Klugheit sage dich los.
5 Sollen deine Augen auf den Reichtum losfliegen, er aber verschwunden sein?
Denn gewißlich verschafft er sich Flügel,
wie ein Adler, der gen Himmel fliegt.
6 Sei nicht Tischgast des Mißgünstigen
und hege kein Gelüsten nach seinen Leckerbissen.
7 Denn wie einer, der für sich nachrechnet, so ist er;
iß und trink! spricht er zu dir,
aber sein Herz ist nicht bei dir.
8 Den Bissen, den du gegessen hast, muß du wieder ausspeien
und deine freundlichen Worte hast du umsonst verschwendet.
9 Vor des Thörichten Ohren rede nicht,
denn er hat nur Verachtung für den klugen Sinn deiner Worte.

10 Verrücke nicht die Grenze der Witwe,
und mache keinen Eingriff in der Verwaisten Äcker.
11 Denn ihr Erlöser ist stark -
der wird ihre Sache wider dich führen.
12 Bringe her zur Zucht dein Herz
und deine Ohren zu einsichtigen Reden.
13 Entziehe dem Knaben nicht die Zucht;
wenn du ihn mit der Rute schlägst, so stirbt er nicht davon.
14 Du zwar schlägst ihn mit der Rute,
aber sein Leben errettest du von der Unterwelt.
15 Mein Sohn, wenn dein Herz weise wird,
bin auch ich in meinem Herzen fröhlich,
16 und mein Innerstes frohlockt,
wenn deine Lippen reden, was recht ist.
17 Dein Herz ereifere sich nicht um der Sünder willen,
sondern um der Furcht Jahwes willen allezeit.
18 Wahrlich, es giebt noch eine Zukunft,
und deine Hoffnung wird nicht zu nichte werden.
19 Höre du, mein Sohn, und werde weise
und laß dein Herz den geraden Weg gehen.
20 Sei nicht unter den Weinsäufern,
unter denen, die sich mit Fleischverprassen gütlich thun.
21 Denn der Säufer und Prasser verarmt,
und schläfriges Wesen giebt Lumpen zur Kleidung.
22 Gehorche deinem Vater, der dich gezeugt hat,
und verachte nicht, wenn sie alt geworden, deine Mutter.
23 Wahrheit erwirb und verkaufe sie nicht,
Weisheit und Zucht und Einsicht.
24 Laut frohlockt eines Frommen Vater;
und wer einen Weisen gezeugt hat, der freut sich über ihn.
25 Es möge sich dein Vater und deine Mutter freuen,
und möge frohlocken, die dich gebar.

26 Gieb mir, mein Sohn, dein Herz
und laß deinen Augen meine Wege wohlgefallen.
27 Denn eine tiefe Grube ist die Hure
und ein enger Brunnen die Auswärtige.
28 Dazu liegt sie wie ein Räuber auf der Lauer
und vermehrt die Treulosen unter den Menschen.
29 Wer hat Ach? wer hat Wehe?
wer Gezänk? wer Klage? wer Wunden ohne Ursache? wer hat trübe Augen?
30 Die, welche bis spät beim Weine sitzen,
die da kommen, um den Mischtrank zu prüfen.
31 Sieh nicht nach dem Weine, wie er rötlich schillert,
wie er im Becher so schön sich spiegelt, leicht hinuntergleitet.
32 Hintennach beißt er wie eine Schlange
und spritzt Gift wie ein Basilisk.
33 Deine Augen werden Seltsames sehen,
und dein Herz wird verkehrte Dinge reden.
34 Und du wirst sein wie einer, der mitten im Meere liegt,
ja wie einer, der oben auf dem Mastbaume liegt.
35 "Sie haben mich geschlagen, es that mir nichts wehe;
sie haben mich geprügelt, ich spüre nichts;
Wann werde ich aufwachen? aufs neue will ich mich ihm wieder ergeben!"